Netzwerktreffen des Deutschen Komitees der UN-Ozeandekade (ODK) in Südwestdeutschland

Am 27. Februar 2026 fand das Netzwerktreffen des Deutschen Komitees der UN-Ozeandekade (ODK) in der Volkshochschule Saarbrücken statt – unter dem Titel „Ocean Literacy: Wie stärken wir in Deutschland Wissen, Bildung und Bewusstsein für die Meere?“. Wir waren dabei und konnten mit engagierten Akteur:innen über konkrete Impulse für Meeresschutz diskutieren – auch für Bundesländer im Landesinneren wie Hessen.


Der Tagesverlauf im Fluss
Der Tag begann um 9:15 Uhr mit dem Eintreffen der Teilnehmenden und lockerem Austausch – perfekt, um erste Kontakte zu knüpfen. Um 10:00 Uhr begrüßten Frauke Bagusche von Blue Mind e.V. und Ulrike Heine von der ODK-Geschäftsstelle die rund 50 Gäste offiziell. Direkt danach folgte um 10:10 Uhr das Grußwort von Petra Berg, der saarländischen Ministerin für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz – ein starkes Signal auf politischer Ebene.
Zwischen 10:25 und 11:15 Uhr gab es fünf spannende Impulsvorträge: Frauke Bagusche stellte die Arbeit von Blue Mind vor, Isabelle Niklas (MeerWissen macht Schule) sprach über die Verankerung von Meeresbildung in Schullehrplänen, Ulrike Heine erklärte die Kernkonzepte von Ocean Literacy, Cara Meffert (Okeanos-Stiftung) zeigte außerschulische Jugendarbeit und Lena Kruit (MeerManege e.V.) erzählte, wie man gute Meeres-Multiplikator:innen ausbildet. Diese kurzen, prägnanten Inputs haben die Grundlage für den weiteren Austausch gelegt.
Von 11:15 bis 12:15 Uhr folgte die Rapid Pitch Round: Jede Organisation hatte 2–3 Minuten, um ihr Projekt vorzustellen – ein echter Speed-Austausch, bei dem unsere Gewässerprojekte super ankamen. Nach einem Mittagsbuffet (12:15–13:30 Uhr) ging es in parallele Workshops (13:30–14:30 Uhr), in denen konkrete Ideen für Bildungsformate, Finanzierung und Vernetzung entwickelt wurden. Den Abschluss machte von 14:30 bis 16:00 Uhr die große Runde mit allen Ergebnissen – so entstand ein Katalog an nächsten Schritten.

Die zentralen Akteure im Überblick


Blue Mind e.V. – Ozeanbildung für alle
Blue Mind e.V., gegründet von Meeresbiologin Frauke Bagusche, setzt sich für Ocean Literacy in Deutschland ein. Die Organisation entwickelt Bildungsformate, Workshops und Materialien, die Ozeanwissen auch Kindern und Jugendlichen im Inland zugänglich machen. Bekannt ist Blue Mind unter anderem für kreative Bildungsformate, die wissenschaftliche Fakten über Ozeane, Klimawandel und Meeresschutz lebendig inszenieren. Durch emotionale Geschichten und interaktive Elemente sensibilisiert der Verein für die globale Bedeutung gesunder Meere.


Deutsches Komitee der UN-Ozeandekade (ODK)
Das ODK ist die nationale Koordinierungsstelle für die UN-Dekade der Meeresforschung für nachhaltige Entwicklung (2021–2030). Es vernetzt Wissenschaft, Bildung, NGOs, Wirtschaft und Politik, um die Ziele der Dekade in Deutschland umzusetzen: mehr Wissen über Meere generieren, nachhaltige Nutzung fördern und Meeresschutz vorantreiben. Das ODK organisiert Veranstaltungen wie das Saarbrücken-Treffen, macht die Ozeandekade sichtbar, zertifiziert Projekte und unterstützt nationale Meeresbildungsstrategien.

Ocean Literacy – Die sieben Prinzipien in Kurzform

Ocean Literacy bedeutet: „Die Fähigkeit, über den Ozean in einem bewussten, reflektierten und verantwortungsvollen Sinne sprechen und handeln zu können.“ Es basiert auf sieben essentiellen Prinzipien, die international (u.a. von NOAA und UNESCO) formuliert wurden und hier in Kurzform wiedergegeben sind.

  1. Die Erde hat ein großes Ozeansystem – es bedeckt rund 71% der Erdoberfläche und umgibt alle Kontinente.
  2. Ozean und Leben sind verbunden – alle Lebensformen hängen direkt oder indirekt vom Meer ab.
  3. Das Meer treibt Wettersysteme an – es reguliert Klima, speichert Wärme und produziert einen großen Teil unseres Sauerstoffs.
  4. Das Meer ist weitgehend unerforscht – wir kennen nur einen Bruchteil der Arten und Prozesse im Ozean.
  5. Das Meer formt unsere Gesellschaft – durch Nahrung, Rohstoffe, Transport, Kultur und Erholung.
  6. Das Meer ist ein vernetztes Ökosystem – dessen Teile eng miteinander verbunden sind.
  7. Das Meer ist gefährdet – durch menschliche Aktivitäten, aber veränderbar durch nachhaltiges Handeln.


Diese Prinzipien verbinden Wissen, Kommunikation und Handlung und sind international anerkannt.

Unsere Erfahrungen und Learnings

Für unsere Gewässerarbeit war das Treffen Gold wert: Verknüpfung lokaler Fluss- und Seeprojekte mit globalen Ozean-Zielen, Inspiration durch Meeres-Multiplikator:innen-Konzepte und Impulse für Schulkooperationen. Besonders spannend: Das Meer beginnt bei uns allen – Mikroplastik aus der Lahn, Nährstoffe von Feldern und andere Stoffeinträge erreichen über Flüsse schließlich die Nordsee.
Am ODK‑Netzwerktreffen zum Thema Ocean Literacy haben wir gemeinsam mit weiteren Initiativen, Bildungsakteur:innen und Wissenschaftler:innen diskutiert, wie wir Wissen, Bildung und Bewusstsein für die Meere in Deutschland stärken können – auch dort, wo keine Küste in Sicht ist. Für uns war der Austausch besonders bereichernd, weil wir unsere Praxis aus der Gewässer- und Flussarbeit mit wissenschaftlichen und pädagogischen Perspektiven verbinden konnten.

Ozeandekade, Deutsches Komitee und unsere Rolle

Die UN‑Dekade der Meeresforschung für nachhaltige Entwicklung (2021–2030) ist ein zehnjähriger Rahmen, der Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft aufruft, gemeinsam Lösungen für gesunde Meere zu entwickeln. Das Deutsche Komitee der UN‑Ozeandekade (ODK) fungiert dabei als Bindeglied zwischen nationalen Initiativen und dem globalen Prozess: Es macht die Ozeandekade sichtbar, vernetzt Akteur:innen und unterstützt Projekte, die Meeresschutz in Bildung, Forschung und Praxis verankern.
Gerade Abflussgebiete von Flüssen, Seen und Binnengewässern sind hier zentral – sie sind der direkte „Kanal“ zwischen unseren Alltagsentscheidungen und dem Meer. Genau in diesem Schnittfeld bewegen sich viele unserer eigenen Projekte: von Gewässerpflege über Bildungsformate bis hin zu Citizen‑Science‑Ansätzen.

Was ist Ocean Literacy?

Ocean Literacy – im Deutschen auch „Ozean‑Kompetenz“ genannt – beschreibt eine einfache, aber tiefgreifende Grundidee: Es geht um das Verständnis des Einflusses des Ozeans auf uns und unseres Einflusses auf den Ozean. Damit wird deutlich, dass jegliches Leben auf unserem Planeten untrennbar mit dem Meer verbunden ist – auch wenn wir in einem Landesinneren wie Hessen leben.
Eine ozean‑kompetente Person …
• versteht die wesentlichen Prinzipien und Grundkonzepte des Ozeans und seiner Funktionen,
• kann über das Meer in einer sinnvollen Weise sprechen,
• und trifft informierte, verantwortungsvolle Entscheidungen im Alltag, die Meere und Gewässer schonen.

Die sieben Prinzipien hinter dem Meer

Entwickelt wurde der sogenannte Ocean‑Literacy‑Rahmen in Form von sieben essentiellen Prinzipien, die Lebenswissenschaftler:innen, Bildungsakteur:innen und NGOs gemeinsam formuliert haben. Unter anderem greifen sie vier zentrale Ideen auf:
• Die Erde ist ein „Wasserplanet“ mit einem großen Ozeansystem.
• Das Meer bestimmt Klima, Wetter und Lebensbedingungen.
• Fast alle Lebewesen hängen direkt oder indirekt vom Ozean ab.
• Menschliche Aktivitäten verändern das Meer – genauso wie unser Handeln auch wieder etwas verändern kann.
Ocean Literacy ist daher mehr als „Wissen über Fische und Wellen“: Es ist ein Bildungsansatz, der Wissenschaft, gesellschaftliche Teilhabe und Verantwortung verbindet – genau das, was auch Projekte im Rahmen der UN‑Ozeandekade fördern wollen.

Vom Fluss bis zum Ozean – was Ocean Literacy für uns bedeutet

Am ODK‑Netzwerktreffen wurde einmal mehr deutlich: Das Meer beginnt nicht am Strand, sondern bei uns. Mikroplastik in Flüssen, Nährstoffeinträge, chemische Stoffe aus Haushalt und Landwirtschaft – all das findet sich über die Abflussgebiete schließlich in den Küsten- und Meeresgewässern wieder. Ocean Literacy hilft, diese Verknüpfung sichtbar zu machen und nicht nur zu „naturkundlichem Wissen“, sondern zu handlungsfähigem Wissen zu machen.
Für uns als Akteur:innen in der praktischen Gewässerarbeit bedeutet das:
• Wir setzen unsere Projekte bewusst im Kontext von Blue Schools, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und dem Ocean‑Literacy‑Rahmen ein.
• Wir nutzen die sieben Prinzipien als Orientierung, um Themen wie Klimawandel, Plastik, Fischerei oder Biodiversität anschaulich zu vermitteln.
• Wir gestalten Bildungsformate, in denen sich Gruppen und Klassen aktiv in Lösungen einbringen – etwa durch Gewässer‑Monitoring, lokale Aktionen oder Kooperationen mit Schulen und Vereinen.

Was wünschen wir uns für die Zukunft?

Vom Netzwerktreffen nehmen wir neue Kontakte, Kooperationsideen und frische Motivation mit:
• stärkere Verankerung von Ocean Literacy in der schulischen und außerschulischen Bildung,
• mehr Formate, die Fluss- und See-Themen eng mit Ozean-Themen verbinden,
• und eine stärkere Vernetzung zwischen lokalen Gewässerinitiativen, Wissenschaft und politischen Entscheidungsträger:innen.
Ocean Literacy ist dabei kein „Nischenprojekt an der Küste“, sondern ein Ansatz, der bis in die Innenstädte, Flure und Schulen reichen kann. Gemeinsam mit Projektpartnern, Bildungsakteur:innen und euch vor Ort wollen wir genau dort ansetzen – vom lokalen Engagement bis zur globalen Verantwortung für den blauen Planeten. 🌍🌊

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